Heute morgen war wieder Bellalarm. So ein kleines Mistvieh (der Tonhöhe nach) in der Nachbarschaft kriegte sich gar nicht mehr ein. Gut, stehen wir halt auf. Gaby ging direkt auf ihre übliche Tour. Unterwegs begegneten ihr zwei Handtaschen auf vier Beinen. Die gibt es anscheinend immer nur im Doppelpack. Aber der Tonhöhe nach war keiner der Übeltäter. Dafür war die Halterin ein spezielles Exemplar. Von weitem konnte Gaby nur erkennen, daß sie eine lange Hose, ein langärmeliges Oberteil und einen Strohhut trug. Morgens um 7:30 Uhr ist ein Hut zum Schutz vor der Sonne nun noch nicht wirklich nötig. Als sie näher kam stellte Gaby fest, daß sie problemlos in einen Bienenstock hätte gehen können. An dem Hut war noch ein dichtes Moskitonetz befestigt. Naja, jedem das Seine. Diese Nacht war etwas kühler. In der Sonne glitzerte auf dem Rasen noch der Tau. Das sah wirklich toll aus.

Nach dem Frühstück fuhren wir zum Hafen. Im Gegensatz zum letzten Mal war dort richtig was los. Es schien eine Art Markt zu sein, auf dem man hiesige Produkte kaufen konnte. Am Anleger waren alle da, nur das Boot nicht. Ah, endlich kam es angetuckert. Und es schien zu einer Ölplattform zu fahren. Zumindest hieß der Captain J.R.

Aber dann beschloß er doch, uns durch das Mündungsgebiet zu fahren. In dem Bereich, in dem sich das Süßwasser mit dem Salzwasser vermischt (Brackwasser) ist die Artenvielfalt und Anzahl der Tiere besonders groß. Schon auf dem Weg Richtung Sanibel sahen wir die ersten Delphine. Einer beschloß, unmittelbar vor uns (schon fast unter uns) unseren Weg zu kreuzen. So nahe kommt man ihnen selten. Immer wieder sahen wir welche. Wir kamen auch an dem Horst eines Fischadlers vorbei. Das Muttertier brütete dort. Der Captain konnte aber nicht sagen, ob schon ein Junges geschlüpft war. War es. Wir konnten es nämlich sehen. Für ihn war es die erste Sichtung des Jungtieres. Der Captain wußte auch wirklich viel über dieses Gebiet. Er war Biologe an der Universiät von Florida und erforschte u.a. die Wege der Delphine.

Nach etwa einer Stunde brachte er uns zu der einzigen Insel, die man anlaufen kann. Alle anderen sind Naturschutzgebiet. Dort machten wir Rast für unseren Lunch. Und der war wirklich gut. Ein sehr gut gefüllter Wrap, ein großer Cookie, eine kleine Tüte Chips und ein Apfel. Dazu bekamen wir herrlich kühles Wasser. Sie hatten sogar eine Art Gangway mit, damit wir trockenen Fußes die Insel betreten konnten. Diese war stark von Booten frequentiert. Klar heute war Samstag. Und wer nicht am Strand lag, fuhr mit dem Boot raus. Gaby amüsierte sich auf der Insel mit kleinen Krabben (Winkerkrabben). Sie leben in kleinen Löchern am Wassersaum. Sobald man sich nähert verschwinden sie flott. Bleibt man ruhig stehen kommen sie wieder raus und wuseln über den Strand. Die anderen drei Teilnehmer blieben lieber an Bord.

Nach der Rast ging es in die Mangrovensümpfe.  Auf dem Weg dorthin entdeckte der Captain ein Boot, das unerlaubt an einer Insel ankerte. Er machte die Personen darauf aufmerksam und erklärte ihnen, daß speziell die Hunde eine Gefahr für die Vögel dort darstellten und sie dafür eine Strafe bekommen könnten. Widerstrebend fuhren sie wieder ab. Dabei stehen genug Verbotsschilder auf diesen Inseln. Man müßte halt lesen können !

In den Mangrovensümpfen war es herrlich ruhig. Der Captain erklärte uns alles über die Mangroven. Vor dort kamen wir über einen Kanal wieder in bewohntes Gebiet. Auf der einen Seite vom Kanal war die Wildnis mit den Mangroven und auf der anderen Seite tolle Häuser. Sogar mit kleinen Schrebergärten. Und in diesem Kanal lebten Delphine. Wir konnte sie sehr gut beobachten. Einige kamen so nahe, daß sie kaum auf die Fotos paßten. Aber der Captain schaute immer wieder besorgt auf das Wetterradar. Hinter uns braute sich nämlich ein heftiges Gewitter zusammen. Und in das wollte er nicht hineingeraten. Als das erste Grummeln zu hören war strebten alle Boote Richtung Hafen. Es war ein ziemliches Gedrängel. Und wen sahen wir auf dem Weg in den Hafen wieder ? Richtig, den Deppen, der an der falschen Insel angelegt hatte. Jetzt war er zu schnell gefahren (Schilder lesen !) und der Sheriff hatte ihn erwischt. Nun mußte er doch noch zahlen. Der Captain legte an, als es gerade anfing zu regnen. Netter Zeitpunkt. Wir mußten nämlich noch ein gutes Stück bis zum Parkhaus laufen und wurden etwas feucht.

Zurück am Pool, den wir noch einmal bevölkerten (ja, alle !), sahen wir die Gewitterfront wieder auf uns zukommen. Es wurde sehr dunkel und ein heftiger Wind kam auf. Wir gingen mal lieber rein. Und dann ging die Welt unter. Es blitzte und donnerte unglaublich. Erstaunlicherwiese fiel diesmal der Strom nicht aus. Aber wie es in Florida halt so ist dauert ein solches Gewitter nie sehr lange. Jetzt ist wieder alles trocken und wir sitzen gemütlich auf der Terrasse. H-P wollte uns netterweise einen Wein bringen. Dazu öffnete er die neue Flasche der Nachbarn. Als er den Korken wieder draufmachte und die Flasche in den Kühlschrank stellte merkte er, daß er irgendetwas vergessen hatte. Ja, einschenken wäre nett gewesen...

 
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