Auch heute morgen legte Gaby sich wieder dem Hund an. Dieses blöde Vieh schlägt wahrscheinlich schon dann an, wenn in Miami einer vorbeigeht. Aber mittlerweile interessiert es sie nicht mehr. Solange er hinter Gittern ist, ist alles in Ordnung. 

Nach dem Frühstück wurde das Navigationssysem getestet. Das ist ja noch auf deutsche eingestellt und hat so seine Probleme mit der englischen Aussprache. So wird aus „South“ schon mal „Sut“. Aber heute kam die ultimative Herausforderung. Es ging zum Corkscrew Sanctuary. Und das liegt an der Corkscrew Road. Ein Wunder, daß die Software dabei nicht abgestürzt ist. 

Das Corkscrew Sanctuary ist ein Naturschutzgebiet. Quer dadurch ist ein hölzerner Steg, über den man gefahrlos laufen kann, Das ist um diese Jahreszeit auch wirklich nötig. Da wir uns am Ende der Regenzeit befinden stand das Wasser auch wirklich hoch. Und vermeintlich fester Boden entpuppte sich fast immer als Wasserfläche mit Wasserlinsen oder Entengrütze oben auf. Es ist erstaunlich wieviele Pflanzen diesen Bedingungen standhalten. Da auch in diesem Gebiet im letzten Jahr „Irma“ gewütet hatte, lagen häufiger wirklich große Baumstämme herum. Teilweise hatten sie  sogar den Steg zerstört. Die Schäden sind aber wieder repariert. In der Mittagshitze hatten sich die meisten Tiere jedoch zurückgezogen, so daß nur wenige Tiere gesichtet werden konnten. Ein paar Frösche trieben sich im Wasser rum, umgeben von einer Unzahl an Wasserläufern. 

In den Bäumen waren Spechte zu hören. Ein Carolinaspecht zeigte sich sogar. Ein kleinerer (leider zu weit weg) hackte wie wild auf einen Ast ein. Über dem Sumpfgebiet kreisten Rotschulterbussarde auf der Jagd. In der Luft lag beständig der Lärm der Grillen. Bei dem Krach müssen sie ziemlich groß gewesen sein. Irgendwann hörten wir immer wieder einen Schrei. Nach einiger Suche fand H-P auf einem toten Baumstamm ein Squirrel, das die ganze Zeit schrie. Erst dachten alle, daß es ein Jungtier war, das zwar den Baum hinauf gekommen war, sich nun aber nicht mehr runtertraute. Doch nach einiger Zeit sprang es ohne Probleme auf den nächsten Baumstamm. Vielleicht war es auch ein erwachsenes Tier auf der Suche nach einem Partner. Ute sichtete sogar einen Alligator, der aber leider für ein Foto zu weit weg war. Das ganze Gebiet ist eine wirklich urzeitliche Umgebung. Man würde sich nicht wundern, wenn irgendetwas aus dieser Zeit aus dem Unterholz kommen würde. Die Pflanzen sind auch ziemlich groß. 

Auf dem Weg zurück hielten sich sogar Rehe im Freien auf. Auch ein paar Trappen und Truthähne liefen frei herum. Zu Thanksgiving müssen die erst einmal eingefangen werden. Da die Mittagszeit schon vorüber war, hatten einige Teilnehmer Hunger. So fuhren sie zu einem MacDonalds. Sie gingen aber hinein, da vor dem Drive Through eine längere Schlange stand. Drinnen erklärte sich auch warum. Die Angestellten bewegten sich in Zeitlupe. In dem Sanctuary wären sie unter Schildkröten nicht aufgefallen.

Ute kaufte nur noch Lebensmittel für das Abendessen ein. Danach ging es nach Hause. Alle waren ziemlich fertig von der langen Tour. Der Weg durch das Sanctuary ist immerhin 3,6 km lang. Jetzt lassen alle den Abend mit einem Glas Rotwein ausklingen. H-P natürlich nicht. Der schläft lieber Fernsehen.
 
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